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Lebensräume

Lebensräume in Nordrhein-Westfalen

Sumpf-Stendelwurz © F. Grawe

Trotz seiner hohen Bevölkerungsdichte finden sich in Nordrhein-Westfalen viele natürliche, naturnahe oder kulturgeprägte Landschaften mit ihren typischen Tier- und Pflanzenarten für die wir eine europaweite, zum Teil sogar weltweite Verantwortung tragen. Beispiele hierfür sind die ausgedehnten heimischen Buchen- und Stieleichen-Hainbuchenwälder. Aber auch die alten Eichenwälder auf sandigen Standorten, die innerhalb Deutschlands in Nordrhein-Westfalen einen Verbreitungsschwerpunkt haben oder die Schwermetallrasen mit dem weltweit einzigen Wuchsort des Westfälischen Galmeiveilchens zählen dazu. 

Mit Hilfe der Natura-2000-Gebiete sollen Lebensräume von besonderem allgemeinem Interesse besonders geschützt werden. Was darunter genau zu verstehen ist wird vielleicht an einem Beispiel am deutlichsten: Buchenwälder gibt es in zahlreichen Ländern Europas. In Spanien und Italien findet man sie bis auf wenige Ausnahmen nur in den Gebirgsregionen der Pyrenäen und des Apennin. Im Baltikum, Ungarn und den Karpaten herrscht der osteuropäisch ausgeprägte Typ vor, in Skandinavien fehlen Sie bis auf den südlichen Zipfel Schwedens ganz. Das Kernland der Verbreitung der Rotbuche aber ist Deutschland, auf das etwa ein Viertel des natürlichen gesamteuropäischen Verbreitungsgebietes entfällt. Will man diesen besonderen, artenreichen Lebensraum in Europa erhalten, ist es also entscheidend, entsprechende Schutzgebiete in Deutschland auszuweisen. Deutschland kommt hier also eine besondere Verantwortung zu, der es durch die Ausweisung zahlreicher Natura-2000-Gebiete, die Buchenwälder schützen, nachgekommen ist. Besonders bekannte Gebiete sind da der Hainich in Thüringen, der Kellerwald in Hessen oder die Buchenwälder im Nationalpark Müritz. 

Aber auch bei uns in Nordrhein-Westfalen finden sich ausgedehnte Buchenwälder. Die eher krautarmen Hainsimsen-Buchenwälder auf bodensauren Standorten zählen zu den häufigsten FFH-Lebensraumtypen in NRW. In rund 30% aller FFH-Gebiete sind sie zumindest kleinflächig anzutreffen. Großflächiger und in ihrer schönsten Ausprägung findet man sie beispielsweise im Arnsberger Wald, am Rothaarkamm, im Gevelsberger Stadtwald, Königsforst oder der Davert. Krautreiche Waldmeister-Buchenwälder auf kalkhaltigem Untergrund findet man dagegen eher in der Eifel oder in Ostwestfalen. Besonders selten sind in NRW die orchideenreichen Kalkbuchenwälder, deren Vorkommen lediglich auf die Kalkgebiete im Weserbergland, Sauerland und Eifel beschränkt sind.

Natürlicherweise wäre Deutschland und so auch NRW zu über 90 % von Wald bedeckt. Entsprechend „groß“ ist der Anteil an Waldlebensräumen, die durch Natura 2000 geschützt werden. Entdecken Sie auf Ihren Touren die letzten Hartholz-Auwälder entlang der großen Flüsse Rhein, Lippe und Ems. Bachbegleitende Erlenwälder in besonderer Ausprägung finden sich in den FFH-Gebieten „Senne mit Stapellager, „Gewässersystem der Ahr“ und im „Arnsberger Wald“. „Davert“ und „Diersfordter Wald“ vermitteln einen repräsentativen Eindruck von ursprünglichen Eichenmischwäldern auf sandigen Standorten des norddeutschen Flachlandes. Und auch der besonders im Frühjahr durch die häufig flächendeckende Blüte der Sternmiere attraktive Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald – der häufigste FFH-Lebensraumtyp in NRW überhaupt – begegnet Ihnen dort in zahlreichen Schutzgebieten. 

Zu den weiteren natürlichen Lebensräumen in Nordrhein-Westfalen, die aufgrund ihrer Seltenheit und starken Gefährdung besonders schützenswert sind zählen unter anderem die Moore. Bestaunen Sie das Hochmoor im NSG Hiddeser Bent, eines der beiden letzten als natürlich eingestuften Hochmoorkomplexe in Nordrhein-Westfalen. Das „Große Torfmoor“, das „Burlo-Vardingholter Venn“ oder auch das „Recker Moor“ zählen dank intensiver Renaturierungsmaßnahmen wieder zu den regenerierenden Hochmooren und vermitteln einen Eindruck über die Weite der ehemals ausgedehnten Moorlandschaften. 

Viele wertvolle Lebensräume sind aber auch auf zum Teil jahrhundertelange kulturelle Nutzung durch den Menschen zurückzuführen oder stellen Relikte einer solchen Nutzung dar. Hierzu zählen insbesondere artenreiche Mähwiesen des Berg- und Flachlandes wie man sie beispielhaft in den Gernsdorfer Weidekämpen , den Nuhnewiesen, im Gewässersystem der Ahr oder aber in der Urdenbacher Kämpe bewundern kann. Aber auch die stark gefährdeten artenreichen Borstgrasrasen mit Arnika der Mittelgebirge gehören dazu. Sie findet man in ihrer schönsten und vor allem größten Ausprägung ebenfalls nur noch im Siegerland und der Senne. Die orchideenreichen Kalkhalbtrockenrasen der Eifel und des Weserberglandes, Wacholderbestände sowie trockene und feuchte Heiden sind weitere Beispiele für die enorme Vielfalt an wertvollen Lebensräumen, die NRW prägen und zu deren Entdeckung wir Sie einladen.